Singen, das Nutzen unserer Stimme ist etwas, was in unserer Zeit immer weniger geschieht. Singen ist nicht nur eine Art, sich musikalisch auszudrücken, sondern vielmehr auch eine besondere Form sich und den eigenen Körper in einer Weise wahrzunehmen, die wir oft gar nicht mehr gewohnt sind. "Die Stimme erheben" hat in diesem Zusammenhang eine doppelte Bedeutung. Oft sind wir uns nicht darüber bewusst, wie stark der Ausdruck von Stimme und Sprache auf unsere Umgebung wirkt. Merkt man nicht automatisch auf, wenn jemand mit besonders eindrucksvoller Stimme spricht, um zu sehen, wer das wohl sein mag. Sind sie nicht auch fasziniert, wenn man außergewöhnliche Vorleser hört und dabei spürt, wie es einen in einen Bann nimmt. Andererseits erhebt uns auch die Stimme. Wir bekommen die Möglichkeit, Dinge viel stärker auszudrücken, als wir es alleine durch Sprache könnten.
Die Stimme prägt uns stärker, als wir oft denken. Ihr Klang drückt Empfindungen und Gefühle aus und ruft sie hervor. So ist die Stimme und Singen auch ein Weg, auf dem wir selbst zu Empfindung und Ausdruck finden. Durch falsche Spannungen und Techniken wird das jedoch verhindert. Hier setzt der individuelle Unterricht an. Ich möchte Sie dahin führen, dass Sie sich mit Ihrer Stimme, Sprache, dem ganzen Körper identifizieren. Sich selbst anzunehmen, zu akzeptieren, eigene Grenzen zu finden und zu erweitern, ungenutzten Raum zu füllen, das möchte ich mit beim Singen lehren. Dabei geht es nicht darum, die Stimmfunktion zu "verstehen", was bei der Vielzahl der beteiligten Muskeln im Körper wohl eh kaum möglich ist. Mein Ansatz ist, den Körper, die Stimme mit Hilfe der passenden Übungen durch Achtsamkeit zur erfühlen. Betrachtet man einen Vogel, hat dieser nie das Singen "gelernt" und kann es doch bis zur Perfektion. Welch ungeheure Räume füllt ein solcher Gesang und wie winzig ist doch oft der Sänger. Kein langes Einsingen, keine unnötigen Übungen, denn alles stimmt einfach. Genau da liegt auch der Schlüssel.
aber wir sind es eben nicht, da wir oft zu viel denken, beurteilen, abwägen. Es gibt aber nichts schöneres, als über das Singen zu lernen, dass tatsächlich vieles einfacher ist, als wir es uns oft DENKEN.
Deshalb ist es auch das Ziel bei meiner Stimmschulung, diese Natürlichkeit so weit es möglich ist zu erreichen. Hierbei kann es nicht DIE spezielle Technik und Übung geben, sondern dies muss sich nach den persönlichen Gegebenheiten richten, Angewohnheiten und falschen Krafteinsatz auflösen und damit die Stimme "befreien". Nicht ich weiß, wie Sie richtig Singen können, sondern Ihre Stimme weiß es. Durch Zuhören und meine Erfahrungen versuche ich Ihrer Stimme zu helfen, frei zu werden. Hierbei nutzt es wenig, den anatomischen Aufbau oder die exakte Funktion zu verstehen, denn Singen kann nicht "verstanden" werden, sondern muss erfühlt werden. Schließlich wollen wir damit auch unseren Gefühlen Ausdruck verleihen können. Dabei würde der Verstand nur im Weg stehen. Gerade dort, wo durch falschen Krafteinsatz, ungenügende Atmung und andere Faktoren Stimmprobleme, Heiserkeit, Schmerzen im Kehlkopf oder gar strukturelle Veränderungen (z.B. Stimmbandknötchen) vorliegen, muss nach der individuell passenden Lösung gesucht werden. Hier kann ggf. auch die Homöopathie zusätzlich eingesetzt werden.
Gesangsunterricht, wie ich ihn heute verstehe, besteht nicht darin, jemand das Singen beizubringen, sondern durch die richtigen Reize zu helfen, das Atmen zu einem natürlichen Strömen werden zu lassen, den Körper für den Klang zu öffnen und die Stimme zu einer freien und ungestörten Funktion zu führen. Hierbei ist es für mich als Lehrer wichtiger gut hinzuhören, als eine bestimmte Methode zu propagieren. Diese sind auch mir in verschiedenster Form begegnet und natürlich steckt jeder davon auch ein Stückchen Wahrheit. Ich konnte jedoch keine davon als angenehm, natürlich oder mir persönlich irgendwie hilfreich empfinden und habe jede Methode schnell wieder abgelegt.
Die angestrebte stimmliche Freiheit fühlt sich für uns organisch an, führt uns schließlich sogar in eine Freiheit der Persönlichkeit. Sie lernen, den vorhandenen Raum zu füllen. Das hat nichts mit Lautstärke zu tun, sondern ist vielmehr ein "inneres" Ausfüllen. Das bewusste nutzen unserer Stimme lässt uns unsere Möglichkeiten erkennen, erweitern, macht uns auch Grenzen bewusst. Beides zu erkennen, zu akzeptieren, und damit zu arbeiten ist schließlich auch der Schlüssel für einen innere Ausgeglichenheit.
Natürlich ist für eine solche gesunde Stimmfunktion auch die körperliche Gesundheit wichtig. Diese zu erhalten und wenn möglich zu schaffen liegt in meiner homöoopathischen Arbeit. Eine solche Begleitung kann, muss aber nicht zusätzlich eingesetzt werden.
Nach den ersten Jahren Gesangsunterricht bei Paul Kuen in Sulzberg kam ich Ende der 80er Jahre als Bariton mit großen Hoffnungen nach München an die Bayrische Staatsoper (Opernstudio). Bereits nach relativ kurzer Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Stimme zwar viel baritonalen Klang hat, jedoch ins Tenorfach gehört. Ernüchternd war die Ratlosigkeit aller Lehrer, die ich in den Jahren danach aufsuchte. Ich konnte sicher von jedem etwas lernen, aber der nötige Tonumfang des Tenors wollte sich nicht so einstellen, dass er auch an der Bühne nutzbar gewesen wäre. Nach vielen frustierenden Jahren war die berufliche Umorientierung notwendig und richtig. In den folgenden Jahren versuchte ich immer wieder, die stimmlichen Probleme zu lösen. Als ich endlich lernte, der Stimme zuzuhören, falsche Spannungen von ihr fern zu halten und ihr durch entsprechende Übungen die Freiheit gab, sich zu entfalten, erreichte ich das gewünschte Ziel dann doch noch. Das was kein Lehrer vermochte - die Stimme selbst zeigt den Weg dahin, man muss nur lernen ihr richtig "zuzuhören". Durch diesen Stimmfachwechsel im klassischen Gesang wurde mir immer wieder bewusst, wie wesentlich bei der Arbeit mit der Stimme ist, jede falsche Spannung zu vermeiden. Darum basiert mein Unterricht darauf, sich nicht nach Methoden zu richten, die der Stimme etwas aufzwingen könnten. Die Impulse müssen spontan den individuellen Notwendigkeiten folgen, der Stimme entsprechen und dürfen nicht gegen sie arbeiten.